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Grundlagen

Altersvorsorge-Depot 2027: Ersetzt es Riester und für wen lohnt es sich?

28. April 2026 8 Min AHArnd Hellwig
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Auf den Punkt
  • Das Altersvorsorge-Depot löst Riester für Neuabschlüsse ab 2027 ab – bestehende Verträge bleiben erhalten.
  • Der Hauptunterschied: Das Depot kann ohne klassische Beitragsgarantie kapitalmarktorientiert investieren.
  • Ob ein Wechsel sinnvoll ist, hängt immer vom Einzelfall ab – ein bestehender Riester-Vertrag ist kein Auslaufmodell.

Das Altersvorsorge-Depot soll ab dem 1. Januar 2027 ein neuer Baustein der staatlich geförderten privaten Altersvorsorge werden. Es ersetzt neue Riester-Verträge nach altem Modell – lässt bestehende Riester-Verträge aber unangetastet. Der wichtigste Unterschied: Beim Altersvorsorge-Depot kann die Förderung auch für eine kapitalmarktorientierte Anlage ohne klassische Beitragsgarantie genutzt werden. Das eröffnet mehr Renditechancen, bringt aber auch Wertschwankungen mit sich.

Für Verbraucher ist deshalb entscheidend zu verstehen, was das Altersvorsorge-Depot ist – und was nicht: keine gesetzliche Rente, keine automatisch sichere Geldanlage, keine Versicherung. Sondern ein geförderter privater Altersvorsorgevertrag, der je nach Ausgestaltung als Depot, Standarddepot oder Garantieprodukt angeboten werden kann.

Warum das Altersvorsorge-Depot eingeführt wurde

Die Riester-Rente war lange Zeit der bekannteste staatlich geförderte private Vorsorgevertrag. In der Praxis gab es aber immer wieder Kritik: zu komplexe Förderung, hohe Kosten bei manchen Produkten, wenig Transparenz und durch Garantievorgaben häufig eingeschränkte Renditechancen.

Mit der Reform der privaten Altersvorsorge möchte der Gesetzgeber die dritte Säule wieder attraktiver machen. Neben gesetzlicher Rente und betrieblicher Altersversorgung soll die private Vorsorge helfen, mögliche Versorgungslücken im Alter zu verringern. Das Altersvorsorge-Depot soll dabei einfacher, kostengünstiger, transparenter und stärker auf langfristige Kapitalanlage ausgerichtet sein.

Die Reform wurde 2026 beschlossen; die neue Produktwelt soll ab dem 1. Januar 2027 verfügbar sein. Was der Starttermin konkret bedeutet, haben wir im Artikel zu Starttermin und Übergangsregeln des Altersvorsorgedepots eingeordnet. Wichtig bleibt: Auch wenn die Grundrichtung feststeht, müssen konkrete Produkte, Anbieterbedingungen und Zertifizierungen im Einzelfall geprüft werden.

Ersetzt das Altersvorsorge-Depot Riester?

Für Neuabschlüsse: ja. Ab 2027 sollen keine neuen Riester-Verträge mehr nach der bisherigen Logik abgeschlossen werden. Stattdessen kommen neue geförderte Altersvorsorgeverträge – darunter das Altersvorsorge-Depot und Garantieprodukte.

Für bestehende Riester-Verträge: nein. Wer bereits einen Riester-Vertrag hat, kann ihn nach aktuellem Stand grundsätzlich weiterführen. Bestehende Verträge genießen Bestandsschutz. Ein Wechsel in die neue Förderung oder in einen neuen Vertrag kann möglich sein, sollte aber nicht vorschnell entschieden werden.

Gerade bei bestehenden Riester-Verträgen gilt: Nicht kündigen, nur weil es etwas Neues gibt. Entscheidend sind Vertragsguthaben, Garantien, Kosten, Zulagenhistorie, steuerliche Effekte, Restlaufzeit und persönliche Ziele.

Was ist der Hauptunterschied zu Riester?

Der Hauptunterschied liegt in der Produktlogik.

Die klassische Riester-Welt war stark von Garantien, Verrentung und komplexer Zulagenberechnung geprägt. Das neue Altersvorsorge-Depot öffnet die steuerlich geförderte private Altersvorsorge stärker für kapitalmarktorientierte Anlagen – etwa über Fonds oder ETF-nahe Lösungen. Beim Depot steht nicht zwingend eine Beitragsgarantie im Mittelpunkt, sondern die langfristige Renditechance.

Merkmal Riester bisher Altersvorsorge-Depot ab 2027
Anlagefokus häufig garantieorientiert stärker kapitalmarktorientiert möglich
Garantie klassische Beitragsgarantie prägend Depot auch ohne Garantie möglich
Förderung alte Zulagenlogik neue, stärker beitragsbezogene Zulagenlogik
Ziel geförderte private Zusatzrente geförderter, flexiblerer privater Vorsorgebaustein
Risiko je nach Produkt, oft durch Garantie reduziert Wertschwankungen möglich, bei Depot keine Kapitalgarantie

Der Vorteil des neuen Ansatzes kann in höheren langfristigen Renditechancen liegen. Der Preis dafür: Wertentwicklungen verlaufen nicht linear. Ein Altersvorsorge-Depot kann schwanken, auch deutlich. Wie sich das im direkten Vergleich zu einem normalen ETF-Sparplan auswirkt, haben wir im Artikel Altersvorsorgedepot vs. ETF-Sparplan ausführlich durchgezogen.

Gibt es weiterhin staatliche Zulagen?

Die staatliche Förderung bleibt – wird aber reformiert.

Nach aktuellem Stand soll die Zulage stärker direkt an die eigenen Einzahlungen gekoppelt werden. Vorgesehen ist eine Förderung von 50 Cent je Euro bis zu 360 Euro Eigenbeitrag pro Jahr und 25 Cent je Euro für Beiträge oberhalb davon bis 1.800 Euro. Daraus ergibt sich eine maximale Grundzulage von 540 Euro pro Jahr. Zusätzlich sind Kinderzulagen und ein Berufseinsteigerbonus vorgesehen.

Für Familien besonders relevant: Die volle Kinderzulage von 300 Euro pro Kind und Jahr soll künftig bereits bei einem monatlichen Eigenbeitrag von 25 Euro möglich sein.

Das klingt attraktiv – ersetzt aber keine Einzelfallprüfung. Ob die Förderung im konkreten Fall wirklich gut passt, hängt von Einkommen, Familienstand, Kindern, Steuerbelastung, Sparrate, Laufzeit und bestehenden Verträgen ab.

Für wen ist das Altersvorsorge-Depot gedacht?

Das Altersvorsorge-Depot richtet sich grundsätzlich an Menschen, die privat fürs Alter vorsorgen möchten und dabei staatliche Förderung nutzen wollen. Besonders interessant kann es werden für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer mit langfristigem Vorsorgehorizont, für Berufseinsteiger wegen des geplanten Bonuses und für Familien mit Kindern wegen der Kinderzulage.

Selbstständige, Freiberufler und Gewerbetreibende sollen künftig stärker einbezogen werden – das war bei Riester oft ein Ausschlusskriterium. Auch für Menschen mit kleinen und mittleren Einkommen soll die Förderung gezielt Anreize setzen. Und für alle, die ETF-nahe Kapitalanlage bisher nicht mit staatlicher Förderung verbinden konnten, öffnet das Depot einen neuen Weg.

Nicht automatisch passend ist es für Menschen, die kurzfristig über ihr Geld verfügen müssen, Wertschwankungen emotional kaum tragen können oder eine klare Garantie zu Beginn der Auszahlungsphase brauchen. Für diese Gruppe können Garantieprodukte mit 80 oder 100 Prozent Kapitalgarantie eher in Betracht kommen – wobei auch dort Kosten und Renditechancen geprüft werden müssen.

Ist das Altersvorsorge-Depot eine gesetzliche Rente?

Das Altersvorsorge-Depot ist keine gesetzliche Rente.

Die gesetzliche Rente gehört zur ersten Säule der Alterssicherung und wird über das gesetzliche Rentensystem organisiert. Das Altersvorsorge-Depot gehört zur privaten Altersvorsorge – ein zusätzlicher, kapitalgedeckter Baustein, der staatlich gefördert werden kann.

Wer in ein Altersvorsorge-Depot einzahlt, erwirbt dadurch keine gesetzlichen Rentenpunkte. Es wird privates Vorsorgevermögen aufgebaut, das später in der Auszahlungsphase genutzt werden soll.

Ein guter Vorsorgeplan betrachtet deshalb nie nur ein einzelnes Produkt, sondern das Zusammenspiel aus gesetzlicher Rente, betrieblicher Altersversorgung, privater Vorsorge, vorhandenen Investments, Immobilien, Liquiditätsreserve und persönlicher Lebensplanung. Den Einstieg dazu gibt der ehrliche Leitfaden zum Altersvorsorgedepot 2027.

Ist das Altersvorsorge-Depot eine Versicherung?

Nicht zwingend. Ein Altersvorsorge-Depot kann von verschiedenen zertifizierten Anbietern kommen – Banken genauso wie Versicherungen. Entscheidend ist nicht, ob auf dem Etikett „Versicherung” steht, sondern ob der Vertrag die gesetzlichen Fördervorgaben erfüllt und zertifiziert ist.

Daneben wird es Garantieprodukte geben, die stärker versicherungsförmig ausgestaltet sein können, weil sie bestimmte Garantien für die Auszahlungsphase versprechen. Das Altersvorsorge-Depot selbst ist aber gerade dadurch geprägt, dass es auch als Depotlösung ohne klassische Garantie möglich sein soll.

Für Verbraucher heißt das: Depot, Standarddepot und Garantieprodukt können sich bei Kosten, Anlage, Risiko, Flexibilität und Auszahlungsform deutlich unterscheiden. Das Label allein sagt wenig über die Eignung aus.

Ist das Altersvorsorge-Depot garantiert sicher?

Das Altersvorsorge-Depot ohne Garantie ist nicht garantiert sicher – und das ist kein Fehler, sondern Teil der neuen Produktlogik. Wer langfristig stärker an Kapitalmärkten investiert, kann höhere Renditechancen nutzen. Gleichzeitig können Kurse fallen. Zwischenzeitliche Verluste sind möglich, auch kurz vor Rentenbeginn.

Beim sogenannten Standarddepot soll deshalb vor Beginn der Auszahlungsphase schrittweise in risikoärmere Anlagen umgeschichtet werden. Das kann Schwankungen reduzieren, beseitigt aber nicht jedes Risiko.

Wer mehr Sicherheit möchte, kann voraussichtlich Garantieprodukte wählen. Dort sollen 80 oder 100 Prozent der eingezahlten Beiträge zu Beginn der Auszahlungsphase garantiert werden können. Solche Garantien begrenzen aber in der Regel die Renditechancen, weil entsprechend vorsichtiger angelegt werden muss.

Das Altersvorsorge-Depot ist kein risikofreier Sparvertrag. Es kann ein sinnvoller Baustein sein, wenn Laufzeit, Risikobereitschaft, Sparrate und Gesamtvorsorge dazu passen.

Warum Beratung gerade bei Riester-Bestand wichtig ist

Viele Menschen werden ab 2027 vor der Frage stehen: Bestehenden Riester-Vertrag behalten, beitragsfrei stellen, in die neue Förderung wechseln oder neues Altersvorsorge-Depot abschließen?

Diese Entscheidung sollte nicht aus dem Bauch heraus getroffen werden. Ein alter Riester-Vertrag kann gute Garantien, hohe Zulagenhistorie oder steuerliche Vorteile enthalten. Er kann aber auch teuer, unflexibel oder wenig passend sein. Beides kommt vor.

Eine saubere Einordnung prüft mindestens: Welche Garantien bestehen im Altvertrag? Welche Kosten fallen weiter an? Wie hoch sind bisherige Zulagen und Steuervorteile? Welche Wechselkosten könnten entstehen? Wie lange läuft der Vertrag noch? Wie wichtig sind Sicherheit, Flexibilität und Renditechancen? Gibt es Kinderzulagen oder Berufseinsteigerbonus? Passt ein Depotrisiko zur persönlichen Situation?

Gerade hier kann ein freier Versicherungsmakler helfen – nicht um den bestehenden Vertrag pauschal schlechtzureden, sondern um ihn sachlich mit den neuen Möglichkeiten zu vergleichen.

Das Altersvorsorge-Depot ist kein Riester 2.0

Das Altersvorsorge-Depot soll die geförderte private Altersvorsorge ab 2027 moderner machen. Es ersetzt neue Riester-Verträge nach altem Muster, lässt bestehende Riester-Verträge aber weiter bestehen. Der große Unterschied liegt in der Öffnung für kapitalmarktorientierte Depotlösungen ohne zwingende Garantie.

Für viele Menschen kann das interessant sein: mehr Transparenz, einfachere Förderung, mehr Renditechancen, ein breiterer Kreis von Förderberechtigten. Gleichzeitig bleibt die wichtigste Vorsorgeregel bestehen: Förderung allein macht ein Produkt noch nicht passend. Entscheidend ist, ob es zur eigenen Lebenssituation, zum Zeithorizont und zum Sicherheitsbedürfnis passt.

Was du jetzt tun kannst

  • Prüfe, ob du bereits einen Riester-Vertrag hast – und wenn ja, welche Garantien, Kosten und Zulagen darin stecken.
  • Kläre deinen Förderstatus: angestellt, selbstständig, Kinder? Das entscheidet, wie attraktiv die neue Zulagenstruktur für dich ist.
  • Schau, was du monatlich sparen kannst und wie lang dein Horizont bis zur Rente noch ist.
  • Kläre dein Sicherheitsbedürfnis: Depot ohne Garantie, Standarddepot oder Garantieprodukt – das ist eine echte Unterscheidung, keine Kleinigkeit.
  • Lass einen unabhängigen Makler draufschauen, bevor du einen Riester-Vertrag kündigst oder ein neues Depot abschließt.

Ob und wie das Altersvorsorge-Depot ab 2027 für dich relevant wird, hängt von deiner konkreten Situation ab. Das ordnen wir im kostenlosen Check-up gemeinsam ein – unverbindlich und ungebunden.

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Häufige Fragen

Ersetzt das Altersvorsorge-Depot Riester?

Für Neuabschlüsse ja: Das neue System soll Riester nach altem Modell ab 2027 ablösen. Bestehende Riester-Verträge laufen aber nicht automatisch aus und können grundsätzlich weitergeführt werden.

Was ist der Hauptunterschied zu Riester?

Das Altersvorsorge-Depot kann ohne klassische Beitragsgarantie stärker kapitalmarktorientiert investieren. Dadurch entstehen höhere Renditechancen, aber auch Wertschwankungen.

Gibt es weiterhin staatliche Zulagen?

Ja. Die Zulagenförderung wird reformiert. Vorgesehen sind beitragsbezogene Zulagen, Kinderzulagen und ein Berufseinsteigerbonus.

Für wen ist das Altersvorsorge-Depot gedacht?

Für Menschen, die privat fürs Alter vorsorgen und staatliche Förderung nutzen möchten. Künftig sollen auch Selbstständige, Freiberufler und Gewerbetreibende stärker einbezogen werden.

Ist das Altersvorsorge-Depot eine gesetzliche Rente?

Nein. Es ist ein privater, kapitalgedeckter Altersvorsorgevertrag und kein Teil der gesetzlichen Rentenversicherung.

Ist das Altersvorsorge-Depot eine Versicherung?

Nicht zwingend. Es kann von verschiedenen zertifizierten Anbietern kommen, etwa Banken oder Versicherungen. Garantieprodukte können stärker versicherungsförmig sein.

Ist das Altersvorsorge-Depot garantiert sicher?

Nein. Das Altersvorsorge-Depot ohne Garantie unterliegt Kapitalmarktrisiken. Wer Garantien möchte, muss Garantieprodukte prüfen.

Warum wurde das Altersvorsorge-Depot eingeführt?

Weil die private Altersvorsorge einfacher, transparenter, kostengünstiger und renditestärker werden soll. Außerdem sollen mehr Menschen zur zusätzlichen Altersvorsorge motiviert werden.

Dieser Beitrag ist eine allgemeine Einordnung und ersetzt keine Steuer-, Rechts- oder Anlageberatung. Was für dich konkret sinnvoll ist, hängt von deinem Einkommen, deinem Berufsstatus, deiner Familiensituation, bestehenden Verträgen, deinem Liquiditätsbedarf, deiner Steuerlast und deinem Risikoprofil ab.

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AHArnd Hellwig

Geschrieben von Arnd Hellwig

Versicherungsmakler und Geschäftsführer von Fulminant Finanzdienstleistungen

Ich schreibe hier aus der Beratungspraxis: frei in der Anbieterwahl, persönlich verantwortlich und mit dem Ziel, Vorsorge verständlich statt verkäuferisch zu erklären.

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